Etwas Kinderpsychologie

Bedingungen und etwas Pädagogik im Umgang mit den Kleinen

Weder Kinderallergie noch Unduldsamkeit sondern Kinderfreundlichkeit, ein Sichhineinversetzenkönnen in den doch noch sehr weichen, sich entwickelnden Kinderschädel und eine Besinnung auf die sonderbare Vorstellungswelt darin. Ist bei manchem ja vielleicht noch nicht sooo lange her ...

Lustprinzip: Gut und schlecht

Ähnlich wie Einzeller folgen sie zunächst dem Lustprinzip, wie wir es alle gerne täten aber bei Strafe des Untergangs nicht mehr dürfen. So kennen sie nur ein "gut" und "angenehm", ein freundliches, kuscheliges und anziehendes Wohlfühlklima, oder eben das Gegenteil, ein abweisendes Ambiente, was regelmäßig Unmut, Wehklagen und Geschrei zeitigt. Das verhält sich also ganz anders als bei Facebook, wo nur ein "Gefällt mir"-Button existiert. Es gilt also umzudenken. Das Gebrüll der internationalen Kleinkinder-Community klingt übrigens weltweit gleich. Die Akteure stecken unter einer Decke. Der Nichtgefallensknopf bei Kindern ist grundsätzlich nicht abstellbar, aber sie lassen sich durch Belohnungen bestechen und ablenken. Eine Kunst, die erlernbar ist.
Prüfen Sie sich, ob Sie das können und wollen!

Ein Leben in der Gegenwart

Je kleiner sie sind, desto stärker sind sie der unmittelbaren Gegenwart verhaftet, einem "Hier und Jetzt". Ein Locken mit künftigen Freuden, z.B. dass sie später groß und stark werden würden oder in den Himmel kämen, wenn sie denn endlich die verdammten Haferflocken äßen, den Teller leerten oder sonstwas täten, was sie nicht wollen, ist sinnlos. Es verhält sich wie bei Erwachsenen, denen man verspräche, das Ewige Leben zu erlangen, wenn sie nur sündlos leben würden. Das hat nie hingehauen; nie war die Sünde weg.

Nahrungsaufnahme

Das Thema Essen ist äußerst heikel: Was denen nicht "schmeckt", schmeckt denen halt nicht. Basta. Das ist im Grunde eigentlich all das, was heutzutage überhaupt noch Geschmack aufweist oder was unbekannt ist. Ferner alles, was vielleicht auch noch "komisch" aussieht oder riecht. Hier scheitert jeder Versuch, Wellnessatmosphäre zu erzeugen. Je fader, desto besser, die Geschmacksrichtung "Süß" ausgenommen. Nie im Leben können Sie Ihr tolles, liebevoll zubereitetes Essen reinkriegen, wenn es einmal abgelehnt wurde. Und wenn Ihnen dabei die Tränen in den Augen stehen. Das müssen Sie aushalten können! Kindern ist das WURSCHT. 
Rechnen Sie nie mit Dankbarkeit.

Ironie

Auch die müssen sie erst lernen und verstehen. Anfangs nehmen sie alles wortwörtlich. Man hüte sich davor, ihnen beispielsweise zu raten, doch mal kräftig gegen die Tür zu treten, wenn sie sie nicht aufkriegen.
Sie tun es; sie werden gegen die Tür donnern, denn Sie haben es ja gesagt.

Zeit

Und bloß nicht vergessen: Kleine Kinder - wie andere Säuger auch, Karnickel, Katze, Hund, Pferd - kennen keine Zeit! Es ist ihnen unverständlich und völlig schnurz, warum bzw. wenn Sie auf die Uhr gucken und drängen.
Was soll das also?

Gleichgewicht und Balance im Leben - Voraussicht tut Not

Alles fällt um, alles plumpst runter, alles wird verschüttet und vergossen, alles geht kaputt. Keine Tasse, kein Becher ist davor geschützt, nicht umgekippt zu werden. Das gilt selbst bei größeren Kindern, Neun- oder Zehnjährigen, die unglaublich am Tisch herumhampeln können und oft auch noch eine sehr unsichere, fahrige Motorik zeigen. Hier ist also "Vor-Sicht" angesagt. Mögliche Verletzungsgefahren oder andere unangenehme Konsequenzen sollten von vorneherein ausgemerzt oder so eingegrenzt werden, dass der Schaden möglichst gering ausfiele.

Versprechen, Belohnungen, Strafen

Äußerste Vorsicht walten lassen, denn angenehme Dinge, die angekündigt wurden, z.B. um sie zu manipulieren, s.o., die behalten sie. Also nie leichtfertig daherkommen mit: "Wenn Du ... dann gehen wir nachher (oder: morgen) auf den Spielplatz". Dito bei irgendwelchen Sanktionen: "Wenn Du nicht ... dann gibt´s keinen Nachtisch" o.ä.
Wer´s nicht einhält, hat verloren. Leere Versprechungen lassen einen unglaubwürdig erscheinen.
Durch leere Drohungen lernen sie, dass sie machen können, was sie wollen, denn es folgt eh keine Strafe.